Wie Deutschland bis 2050 klimaneutral wird

Deutschland soll nach Verabschiedung des Klimschutzgesetzes bis 2050 klimaneutral werden. Die von Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut erstellte Studie „Klimaneutrales Deutschland“ zeigt erstmals, wie Deutschland dieses Ziel erreichen kann. Klimaneutral bedeutet dabei, dass die Treibhausgasemissionen in allen Bereichen vollständig oder fast vollständig vermieden werden.

Eine Reduktion der Treibhausgase in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent und Klimaneutralität bis 2050 sind machbar und technisch umsetzbar. Dies zeigt die Studie „Klimaneutrales Deutschland“ auf, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden. Darin haben Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut im Auftrag von Agora Energiewende und Agora Verkehrswende sowie der Stiftung Klimaneutralität in verschiedenen Szenarien untersucht, mit welchen konkreten Maßnahmen Deutschland bis zum Jahr 2050 seine Treibhausgasemissionen auf null senken kann.

Gebäudesektor soll bis 2050 klimaneutral werden

Im Gebäudesektor entstehen die Emissionen hauptsächlich bei der Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. In den betrachteten Szenarien steigt die jährliche Sanierungsrate im Vergleich zu heute um etwa 50 Prozent auf rund 1,6 Prozent. Gleichzeitig wird die Qualität (Sanierungstiefe) der eingesetzten Bauteile gesteigert. Der Verbrauch für Raumwärme und Warmwasser verringert sich im Szenario bis 2050 um 36 Prozent gegenüber 2018. Die verbleibende Wärme wird weitestgehend CO2-neutral erzeugt. Die Zahl der Wärmepumpen erhöht sich von aktuell rund einer Million auf sechs Millionen in 2030 und auf 14 Millionen im Jahr 2050. In urbanen Gebieten steigt die Bedeutung der Wärmenetze stark an; die Nachfrage nach Fernwärme verdoppelt sich im Zeitraum 2018 bis 2050.

klimaneutral bauen
Mit einem Plusenergiehaus eigene Energie erzeugen und klimaneutral bauen

Der Neubau von Gebäuden muss klimaneutral werden

Bei den Förderanträgen von Neubauvorhaben von KfW-Effizienzhäusern wird in allen Effizienzklassen eine starke Zunahme verzeichnet. Der größte prozentuale Anstieg liegt bei dem KfW-Effizienzhaus 40 Plus, wo hingegen die mit Abstand höchste Anzahl an Förderanträgen bei den KfW-Effizienzhäusern 55 erreicht wird. Die Kluft ist besonders groß bei der Förderung im Neubau: Dort entsprechen 74 Prozent der geförderten Maßnahmen dem Effizienzhausstandard KfW-55. Zur Erreichung eines klimaneutralen Gebäudebestands muss der Wärmebedarf aber deutlich stärker sinken. Beispielsweise zeigt das im Jahr 2020 veröffentlichte Szenario „Klimaneutrales Deutschland, dass der Heizwärmebedarf sowohl bei Ein- oder Zweifamilienhäuser als auch beim Mehrfamilienhaus bei Neubauten auf rund 25 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) sinken muss, was im Mittel in etwa dem KfW-Effizienzhaus-Standard 40 oder besser ein Plus-Energie-Haus KfW 40 plus im Neubau entspricht. Zur Erklärung: Je kleiner der Wert des KfW-Effizienzhauses ist, desto geringer ist der Energiebedarf der Immobilie.

Quellen: Prognos, Öko-Institut, Wuppertal Institut, Studie „klimaneutrales Deutschland“.

lebt in Stuttgart und betreibt als unabhängiger Holzhaus-Experte aus Leidenschaft verschiedene Blogs und das Portal holzbauwelt.de. Er informiert über Trends im Wohnungs- und Gewerbebau mit dem Baustoff Holz und Fördermöglichkeiten für den privaten Bauherr. E-Mail senden