Plusenergiegebäude und Nullenergiegebäude

Weltweit steigt die Zahl der Nullenergiegebäude oder Plusenergiegebäude im Neubau. Es begann mit ersten Experimentalprojekten, die oft als kleine energieautarke Gebäude konzipiert waren, ohne Anschluss an irgendwelche Energienetze. Nullenergie- oder Plusenergiegebäude im Neubau haben ihre Geburtsstunde Anfang der frühen 1990er Jahre.

Ab etwa 2000 steigt die Zahl der realiserten Projekte kontinuierlich an. Es handelt sich inzwischen zumeist um Gebäude mit Passivhauskonzept oder wie in der Schweiz nach Minergiestandard. Unter Zuhilfenahme von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder Solarstromanlagen erreichen sie eine ausgeglichene oder positive Energiebilanz. Darunter sind auch größere Wohn-, Büro- und Industriegebäude. Ab etwa 2007 gibt es auch erste Projekte im Bereich Gebäudesanierung mit dem Ziel der ausgeglichenen Energiebilanz.

Plusenergiegebäude in Freiburg als Vorzeige- und Pionierprojekt

Die Solarsiedlung am Schlierberg in Freiburg ist eine der ersten Plusenergiesiedlungen weltweit. Die großflächigen Solarstromdächer fallen besonders ins Auge und sorgen für ein deutliches Plus in der Energiebilanz. Doch im Kern basiert der Erfolg auf einer konsequenten Passivhausbauweise. Hinzu kommt die Anbindung an ein holzbefeuertes Nahwärmenetz des benachbarten Vorzeigequartiers Vauban.

Architekt und Initiator Rolf Disch wollte mit diesem Projekt über die Möglichkeiten der damals bereits populären Passivhäuser hinausgehen. Die Siedlung sollte nicht nur energiesparend gebaut und mit regenerativer Energie versorgt werden. Ja, die Gebäude sollten sogar mehr Energie bereitstellen als sie und ihre Bewohner verbrauchen. Rolf Disch prägte dafür den Begriff »Plusenergiehaus«.

Plusenergiegebäude
Plusenergiegebäude in der Solarsiedlung in Freiburg

Das Finanzierungskonzept ist ein wichtiger Bestandteil der im Zeitraum 2000 bis 2006 realisierten Siedlung. Denn die häuserübergreifenden Solardächer sollten auch dann realisiert werden, wenn einer der Reihenhauskäufer nicht das notwendige Kapital dafür aufbringen kann. Mit mehreren Solarfonds, also spezielle, geschlossene Immobilienfonds, werden evtl. Finanzierungslücken gedeckt. Die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse an Dach und Häusern werden über spezielle Vereinbarungen geklärt.

Siedlungskonzept mit Reihenhäusern gen Süden

Auf dem 11.000 m² großen Areal sind fünzig Reihenhäuser in zehn Hauszeilen unterschiedlicher Größe konsequent nach Süden orientiert angeordnet. Dabei wurden die Abstände der Häuserzeilen und die Gebäudehöhen so optimiert, dass die Sonne auch im Winter in die Wohnungen scheint und die Dachflächen weitgehend verschattungsfrei sind. Mit dieser Anordnungund der dichten Bebauung ergibt sich ein sehr einheitliches Gesamtbild. Die Homogenität des Ensembles wird aber durch die unterschiedlichen Farben der Gebäude und eine leichte Drehung einzelner Hauszeilen aufgelockert.

Architektur holt sich solare Wärmegewinne

Die Grundrisse der Reihenhäuser folgen dem klassischen Solarhauskonzept: Wohn- und Aufenthaltsräume liegen im Süden, die innere Erschließung ist mittig und die Servicezone, das heißt Küche, Bäder und Haustechnik, im Norden. Die Gebäude weisen eine sehr kompakte Kubatur auf, sind nach Passivhauskonzept konzipiert, einschließlich mechanischer Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie einer konsequenten Tageslichtoptimierung.

Günstige Energiebilanz dank Solarstrom und Blockheizkraftwerk

Eine Solarstromanlage mit einer Leistung von insgesamt 400 Kilowatt liefert genügend Strom, um in der Jahresbilanz den gesamten Bedarf der Siedlung zu decken und zudem überschüssigen Strom in das Stromnetz einzuspeisen. Die Siedlung ist zudem an ein Nahwärmenetz angeschlossen, das über ein Blockheizkraftwerk mit Wärme versorgt wird. Das kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung erfolgt auf Basis von Holzhackschnitzel und Erdgas. So liegt der Primärenergiefaktor für die Wärme bei niedrigen 0,6 und der Primärenergiebedarf für Wärme kann durch den Solarstromüberschuss mehr als ausgeglichen werden. In der Jahresbilanz wird so eine deutlich positive Energiebilanz erreicht. Deshalb spricht man von einem Plusenergiegebäude.

 

lebt in Stuttgart und betreibt als unabhängiger Holzhaus-Experte aus Leidenschaft verschiedene Blogs und das Portal holzbauwelt.de. Er informiert über Trends im Wohnungs- und Gewerbebau mit dem Baustoff Holz und Fördermöglichkeiten für den privaten Bauherr. E-Mail senden